Grundlegende Haltung

Die Lernzukunft e.V. blickt in die Zukunft des Lernens - in einen Unterricht, der stimmig ist, d.h. passend für Lehrende und Lernende. Der Fokus liegt auf Handlung und Erleben.
Die Lernzukunft e.V. bietet Lehrerfortbildungen sowie eine vollständige Lehrerausbildung an, ein Glückliches Referendariat.

Kommunikationsmodelle zur Unterrichtsgestaltung

Das in der Lernzukunft gelebte Verständnis von Unterricht basiert auf zwei Grundannahmen:

1. Unterricht ist Kommunikation.
2. Der Empfänger entscheidet, was gesagt wurde.

Die erste Aussage ist offensichtlich. Die zweite Aussage ist Gegenstand der Kommunikationspsychologie und besagt, dass beim Empfänger die Wahl der Interpretation liegt. Nimmt man beide Aussagen zusammen, so folgt unmittelbar, dass der Schüler entscheidet, was gelehrt wurde.

Damit ist nicht gemeint, dass der Schüler darüber bestimmt, was im Unterricht geschieht. Er entscheidet, was im Unterricht gesagt wurde, und nicht darüber, was im Unterricht gesagt wird. Kommunikation wird dabei von der Empfängerseite her verstanden und gleichsam – im Sinne von Niklas Luhmann – von hinten aufgerollt.

 

Üblicherweise wird Kommunikation in einem technischen Sinne verstanden bzw. vom Sender her gedacht. Dieser erscheint als der aktive Teil, er handelt, während der Empfänger scheinbar nur zuhört und eher eine passive Rolle einnimmt.

Es ergibt sich ein radikal anderes Verständnis von Kommunikation bzw. von Unterricht, wenn vom Empfänger aus gedacht wird. Dieser ist nicht passiv, sondern konstruiert seine (subjektive) Wirklichkeit.

Lernen als eigenständige Konstruktion

Lehre als die Idee des Auffüllens eines Wissensspeichers, etwa im Sinne einer Datenspeicherung, ergibt in einem systemisch-konstruktivistischen Lernverständnis keinen Sinn. Eine materielle oder gar maschinelle Vorstellung von Lehren und Lernen erscheint unpassend, ebenso der Versuch, Bildung als eine Art Abbildung vom Lehrer zum Schüler hin zu begreifen. Die Sichtweise, dass „der Empfänger bzw. Schüler entscheidet, was gesagt wurde“ verändert das Verständnis von Unterricht grundlegend. Im Schülerkopf entscheidet es sich, ob (in seiner Wirklichkeit) überhaupt Unterricht stattgefunden hat, nicht beim Lehrer! Bei Tagebucheinträgen, Lehr- und Stoffverteilungsplänen oder Curricula liegt der Fokus darauf, ob der Stoff (vom Sender bzw. von der Organisation Schule oder vom unterrichtenden Lehrer) durchgenommen wurde. In der Skizze erkennt man die Gedanken des Senders bzw. Lehrers, welche für die Empfänger bzw. Schüler unsichtbar sind.

 

Entscheidend ist jedoch nicht, was der Lehrer durchgenommen hat, sondern was beim Schüler angekommen ist. Genauer: welche Information in seiner Wirklichkeit entstanden ist, was sie mit ihm gemacht bzw. was er gelernt hat. Die Frage danach, was im Schülerkopf konstruiert wurde, ist viel schwieriger zu beantworten. Hier helfen Tagebucheinträge, Lehr- und Stoffverteilungspläne oder Curricula nur bedingt weiter, da diese ihrer Natur gemäß senderorientiert sind. Sicherlich haben sie etwas mit den Schülerkonstruktionen zu tun, aber nicht im Sinne einer Kopie oder Abbildung. So steht dort beispielsweise nirgends geschrieben, dass „alles besser ist als zwei Stunden Französisch“ oder dass „Mathematik unnötig ist, um durch das Leben zu kommen“ (Die Aussagen stammen von Achtklässlern innerhalb eines Vortrages an der Universität Freiburg). Natürlich hat das Konstrukt des Empfängers mit dem des Senders etwas zu tun: Dieser liefert das Material, die Bausteine, mit denen der Empfänger etwas konstruiert. So auch hier: Welche Gedanken Sie beim Lesen dieses Textes oder beim Besuch eines Workshops entwickeln, das liegt in Ihren Händen. Darüber habe ich als Autor keine Macht. Die Gedanken sind frei bzw. genauer, Sie erschaffen sich Ihre Gedanken bzw. Ihre Wirklichkeit selbst. Aber ganz sicher werden Sie hier anderen Gedanken nachgehen, als wenn Sie eine Sportzeitschrift oder ein Kochbuch lesen. Für den Unterricht bedeutet das: Das Material, das äußere Geschehen, bestimmt der Lehrer, die individuelle Wissenskonstruktion jeder Schüler für sich.

Lehrerrolle

Jeder Schüler baut an seinem eigenen Wissensgebäude und er wird das an Material verwenden, das ihm zur Verfügung steht. Mit demselben Material wird der Nachbar ein völlig anderes Haus bauen. Dem Lehrer wächst hier eine neue Rolle bzw. eine neue Aufgabe zu: Er vermittelt nicht mehr Wissen, sondern vermittelt zwischen Wissensgebiet und Schüler.

 

Seine Aufgabe besteht darin, Berührungspunkte und Begegnungen zwischen Wissensgebiet und Mensch wahrscheinlich werden zu lassen. Statt dem aufstrebenden Geist etwas bei-zu-bringen, ist es passender, ihm etwas nahe-zu-bringen. Unterrichten bzw. Lehren ist Beziehungsarbeit: Gemeint ist damit die Beziehung zwischen Stoff und Schüler. Diese Vermittlungsarbeit ist der Gegenstand der Lernzukunft e. V. sowie des PROferendariats. Da Unterricht prinzipiell aus Lehrern und Schülern besteht, kann es aus kommunikativer Sicht nicht den richtigen oder den guten Unterricht schlechthin geben. Unterricht abstrakt, d. h. ohne an konkrete Schüler und Lehrer zu denken, wäre wie über ein Gespräch nachzudenken, ohne zu wissen, wer da eigentlich spricht, sprechen wird oder gesprochen hat! Falls Sie „das“ Rezept zu gutem Unterricht suchen, sind Sie falsch bei der Lernzukunft e. V. Hier finden Sie keine Bedienungsanleitungen und keine Anleitung zu „richtigem“ Unterricht. Hingegen führt die Lernzukunft e. V. mit ihren Fortbildungen in ein konstruktivistisch-systemisches Verständnis von Unterricht ein und zeigt konkrete Möglichkeiten zur Gestaltung.

PROferendariat statt REferendariat

Das Wort Re-ferendariat stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „Bericht-erstatter“ bzw. das Zurück-bringen. Der Begriff erscheint innerhalb der Ausbildung von Lehrern unpassend. Er suggeriert, dass „Stoff“ oder „Inhalte“ verabreicht werden könnten. Es geht in einer Lehrerausbildung nach einem konstruktivistisch-systemischen Ansatz jedoch nicht um das Berichterstatten (etwa einem Seminarleiter gegenüber), sondern vielmehr um den individuell stimmigen Aufbau der eigenen Lehrerpersönlichkeit. Selbst wenn man versuchen sollte, angehende Lehrer „gleich“ auszubilden, wird doch jeder andere Dinge aus den Kursen konstruieren und individuell seinen Unterricht gestalten. Er wird Ideen aufnehmen, weiterentwickeln und in der Begegnung mit Schülern weiter- bzw. vorwärtstragen. Auch Lehrerfort- und Lehrerausbildungen werden von der Empfängerseite aus gedacht. Die Idee des Wachstums ist somit eine vorwärtsbringende und keine zurückbringende. Die Umwandlung des Begriffes Referendariat zu Proferendariat bedeutet, dass die jungen Lehrer in die Zukunft tragen, was in ihnen gewachsen ist.